L i s a   O n n e r t z S a b i n e   S a k a l a u t z k y
Heilpraktikerin Heilpraktikerin
Osteopathie Chinesische Medizin
tel: 030 / 63 96 07 06 tel: 030 / 42 02 74 04
http://www.osteopathie-onnertz.de http://www.shiatsu-tcm-praxis.de

Das nächste Friedelpraxis Infotreffen findet wg. interner Klärung erst ab August 2016 wieder statt.

Ort: die Praxis in der Friedelstr. 3A, 12047 Berlin.

Termine finden immer auf Anfrage und nach Absprache statt.

Wir bitten um Anfrage für ein Infotreffen unter friedelpraxis@posteo.de. Danke!

 

Nicht-Kommerzialität (NK) in der Friedelpraxis – Scheitern der 1. Phase
September 2015

Wir hatten uns 2012, zu Beginn unseres Projekts „Gesundheit für alle“, einen Zeitraum für das Erproben des Konzepts gegeben. Mit offenem Ende zu starten erschien uns riskant. Es gab zu viele Unbekannte in der Rechnung:
• Würden das politische Interesse und die Lust am Experiment eine breite, tragfähige Basis schaffen?
• Würden genügend „Vereinbarungen“ mit Beiträgen, die eine solidarische Umverteilung gewährleisten könnten, getroffen werden?
• Würden sich genügend engagierte Menschen beteiligen, die mit regelmäßigen finanziellen Beiträgen, auch ohne Behandlungsbedarf, das Projekt unterstützen?
• Bleiben Begleitgruppe und Behandlerinnen überzeugt von der Idee und motiviert genug, diese praktisch umzusetzen?

Wir taten gut daran, uns ein Limit zu setzen. Das hat uns vor ein paar Wochen – nach der Verlängerung um ein gutes Jahr – die Feststellung erleichtert, dass wir dringend einen Stopp brauchen; Zeit für Überprüfung, Reflexion, Neugestaltung.
Denn – abgesehen von der letzten – können alle o.g. „Unbekannten“ nur mit nein beantwortet werden.
Wir sehen deshalb diese erste Erprobungsphase als gescheitert an.
Es häuften sich in den letzten Monaten zunehmend Momente von Unzufriedenheit, Erschöpfung, Frustration. Die materielle Basis durch das NK-Experiment bleibt prekär.
Die Gründe dafür wollen wir genau untersuchen. Aus dem Scheitern wollen wir lernen.
Den Grundgedanken der nicht-kommerziellen Praxisidee werden wir aber nicht aufgeben. Wir beginnen die Konzeption der Phase 2!
Seit Juni 2015 läuft ein intensiver Austausch zwischen den Heilpraktikerinnen (HP’s) und den Menschen in der Begleitgruppe. Wir beleuchten die unterschiedlichen Bereiche: materielle Basis, Einstellungen und Verhaltensweisen bei HP’s und bei Patient_innen, Arbeitszufriedenheit und die politische Dimension. Klarheit besteht im Folgenden:
• Der Mangel an Unterstützung – personell wie finanziell lässt das Projekt kümmern (wo zu wenig ist, kann zu wenig solidarisch verteilt werden).
• Der NK-Gedanke erweist sich als anspruchsvoll und kompliziert in der praktischen Umsetzung bei allen Beteiligten.
Bei unserer Untersuchung stoßen wir immer wieder auf die Schwierigkeit, eine grundsätzlich veränderte Haltung zu entwickeln, die nur aus der alltäglichen Auseinandersetzung mit unseren Verhaftungen im kapitalistischen Denken entspringen kann.
Hier einige der „Stolpersteine“:
– Wir wollten kein „Charity“ Projekt sein – unsere Arbeit sollte nicht mit einer erhöhten Arbeitszeit und Verdiensteinbußen einhergehen. Wir wollten versuchen das u.a. durch Spenden abzufedern. Das ist uns nicht gelungen.

– Die Behandlungen sollten bei Bedarf stattfinden, stattdessen haben sich häufig regelmäßige Behandlungsrhythmen, unabhängig vom Bedarf, entwickelt.

– Wir wollten die finanziellen Beiträge von der Anzahl der Behandlungen entkoppeln – häufigere Behandlungen bei akutem Bedarf und keine Behandlungen ohne Bedarf. Nun haben wir festgestellt, dass sowohl in unserem Kopf als auch in dem der Patient_innen eine Berechnung der einzelnen Behandlungen stattfindet. Wir als Behandlerinnen fühlen uns verpflichtet, eine „ausreichende“ Anzahl an Behandlungen zur Verfügung zu stellen und Patient_innen scheinen diese Erwartung ebenfalls zu haben

→ kurz: Geht was Richtiges im Falschen?

Uns erscheint für den Fortbestand dieses Projekts die bewusste Entwicklung der politischen Dimension in unseren Handlungen, unserem alltäglichen Verhalten als essentiell. Wir sind der Überzeugung, ohne einen solchen Prozess kann das Projekt nicht funktionieren, kann es sich nicht lebendig weiterentwickeln.

Uns erscheint es wichtig, die Praxisidee und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung besser zu kommunizieren. Das können und wollen wir als Behandlerinnen nicht in einer Behandlungssituation umsetzen
Deshalb haben wir eine neue Struktur geschaffen. Einmal monatlich wird es einen Infoabend („Friedelpraxis Infotreffen“) für NK-Patient_innen und solche, die es werden wollen, geben.
Eine Teilnahme an einem solchen Infotreffen wünschen wir uns als Voraussetzung für eine NK-Behandlungsvereinbarung.
Die Infotreffen werden vorrangig von Menschen der Begleitgruppe durchgeführt.
Dort können Fragen zur NK-Idee allgemein und zu den besonderen Herausforderungen der Friedelpraxis gestellt, ggf diskutiert und nach Möglichkeit geklärt werden.
Wir erhoffen uns davon, dass Frustrationen, Missverständnisse u dergleichen früh erkannt und möglichst aufgelöst werde können. Wir erwarten auch, dass sich das Verständnis der Projekt-Idee so vertiefen lässt, und dass alle Beteiligten sich an einem Erkenntnisgewinn erfreuen werden.
Sicher werden wir weiterhin Stolpersteinen in dem Prozess begegnen. Wir sind halt (noch) nicht die „neuen Menschen“. Aber eine deutlichere Wertschätzung der politischen Dimension unseres Projekts wird – so hoffen wir – eine spürbare Veränderung in unserem Umgang miteinander bewirken.
Wir erwarten keine Wunder. Neuer Mut für eine zweite Phase ist jedoch gewachsen. Lasst es uns gemeinsam anpacken. Nach einem weiteren Jahr „NK in der Friedelpraxis“ werden wir erneut Bilanz ziehen.